Erwin Heerich
Werkverzeichnis
Lebenslauf
Erwin Heerich (1922-2004)
1922
Geburt von Erwin Heerich am 29. November in Kassel als Sohn des Kaufmännischen
Angestellten Conrad Heerich und Dorothea Elisabeth Heerich, geb. Werner. Im Vorschulalter Erkrankung an einem
Tumor im linken Schultergelenk, sodass sein linker Arm bleibend kürzer und die
Hand schwächer ausgebildet ist.
1931
Tod des Vaters. Erwin Heerich wächst mit seiner Mutter und seiner älteren
Schwester Erika, den Großeltern sowie weiteren Verwandten in Kassel auf.
1938
Bis 1941 Lehre zum Töpfer
(Modelleur) bei dem Bildhauer und Töpfermeister Heinz Detlef Wüpper (1911-1995)
in Kassel. Abschluss mit Gesellenbrief. Parallel dazu Besuch der Gewerblichen
Berufsschule Hannoversch Münden. Im Sommersemester Gaststudent in einem Kurs
der Töpferabteilung der Staatlichen Meisterschule des Deutschen Handwerks
Kassel (später Kunstgewerbeschule zu Kassel).
1941
Trotz seiner körperlichen Einschränkungen
Einberufung im Februar zum Reichsarbeitsdienst im Steinbruch in Metz und im
Oktober zur Kriegsmarine. Ausbildung zum Richtschützen an der Blidselbucht, Sylt.
1942-1943
Stationierung in Zinnowitz,
Glückstadt und in Middelburg (Niederlande).
1943
Nach schweren Bombenangriffen
auf Hamburg Beteiligung an Bergungsfahrten auf der Elbe nach Glückstadt, dann
Abberufung zu Küstenstellungen an der Loire-Mündung, schließlich Marschbefehl
von Saint-Nazaire nach Mailand.
1944-1945
Von Herbst bis März Stationierung
in Punta Sabbioni bei Venedig.
1945
Ab April als Infanterist an
der Adriaküste. Im Mai bei Conegliano (Piave) schwere
Verwundungen. Behandlung zuerst in
einem britischen Kriegslazarett in Abano Terme, im Herbst Transport nach
Deutschland in ein Lazarett in Helmstedt.
Entlassung aus der
Kriegsgefangenschaft am 26. September.
Immatrikulation an der
Kunstakademie Düsseldorf und Aufnahme in die Bildhauerklasse von Ewald Mataré (1887-1965). Freundschaft mit Joseph Beuys
(1921-1986), der ab 1947 auch an der Kunstakademie studiert.
1950-1954
Arbeit im Meisterschüleratelier
von Ewald Mataré zusammen mit Beuys. Näherer Kontakt unter
anderem zu Herbert Belau (1921-1990), Antonia Berning
(1921-2009), Hermann Focke (1924-2020), Karl Franke (1917-1996), Günter Haese (1924-2016), Elmar Hillebrand (1925-2016), Gertrud Kortenbach (1924-1960), Kurt Link (1926-1996), Günther Mancke (geb. 1925), Holger Runge (geb. 1925) sowie Wolf
Spemann (1931-2023).
Ab 1950 erste Kartonplastiken und
erste Zeichnungen in isometrischer Darstellung.
Heirat mit Hildegard Müller
(1928-2023), die er 1947 kennengelernt hat. Wohnort 1950 in Neuss, ab 1952 in
Düsseldorf und schließlich ab 1953 in Meerbusch-Büderich. Das Paar hat vier
Kinder.
1955
Bis 1961 nebenberufliche
Tätigkeit als Archivar der „Neuen Post“, eines Düsseldorfer Boulevardblattes.
1957
Übernahme des Unterrichts von Ewald
Mataré an der 1953 von Oskar Kokoschka (1886-1980)
gegründeten Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg.
1959
Beginn der systematischen
Arbeit an Kartonplastiken und Zeichnungen, Drucken und Grafiken im freien
Bereich stereometrischer Gesetzlichkeit.
1961
Durch Vermittlung des Kaarster
Künstlerpaars Martel und Gottfried Wiegand Anstellung als Fachlehrer am Seminar
für Werktätige Erziehung in Düsseldorf. Bis 1968 Unterricht zusammen mit den Wiegands
und Holger Runge.
1963
Durch Joseph Beuys
Bekanntschaft mit den Kunstsammlern Hans van der Grinten
(1929-2002) und dessen Bruder Franz Joseph (1933-2020) auf ihrem Hof in
Kranenburg.
1964
Erste Einzelausstellung im
Hause van der Grinten in Kranenburg.
Umzug nach Meerbusch-Osterath.
Holger Runge gründet mit Joseph
Beuys, Rolf Crummenauer (1925-1999), den Brüdern van
der Grinten, Erwin Heerich
und anderen Künstlern und Künstlerinnen die „Radiergemeinschaft Osterath“.
1966
Erste Grafik-Edition Erwin Heerichs: „Privatdrucke – Zinkographie“ mit Texten von Hans
und Franz Joseph van der Grinten.
Beuys richtet die erste Einzelausstellung
Heerichs in der Galerie Schmela
in Düsseldorf aus. Hier erstmals Begegnung mit dem Immobilienhändler und
Kunstsammler Karl-Heinrich Müller (1936-2007), der in den 1980er Jahren
Initiator und Stifter des Museums Insel Hombroich wird.
1967
Johannes Cladders
(1924-2009) organisiert eine Einzelausstellung im Museum Abteiberg in
Mönchengladbach.
1968
Erwin Heerichs
nationaler und internationaler Durchbruch. Reise mit Alfred Schmela
(1918-1980) nach New York, Ausstellung in der Dwan
Gallery. Einzelausstellung im Stedelijk van Abbemuseum in Eindhoven und Teilnahme an der documenta 4 in
Kassel.
1969
Berufung an die Kunstakademie
Düsseldorf für das Fach „Grafische Künste – Künstlerisches Lehramt“. Zu den
Studierenden seiner Klasse gehören unter anderem Katrin Berger (geb. 1945), Michael
Growe (geb. 1960), Werner Haypeter
(geb. 1955), Joachim Peter Kastner (geb. 1947), Ulrike Kessl
(geb.1962), Oliver Kruse (geb. 1965), Julia Lohmann (geb. 1951), Wolfgang
Nestler (geb. 1943), Katsuhito Nishikawa
(geb. 1949).
1971
Internationales Meeting Freier
Kunstmarkt in Heidelberg, dem der von Joseph Beuys, Erwin Heerich
und Klaus Staeck (geb. 1938) initiierte Aufruf zum Boykott des Kölner
Kunstmarktes vorausging (Flugblatt vom 10.02.1971).
1973
Im April, ein halbes Jahr nach
der fristlosen Kündigung Joseph Beuys‘ durch den Nordrhein-Westfälischen
Wissenschaftsminister Johannes Rau, gehört Erwin Heerich
zu den Mitgründern eines Vereins zur Förderung einer „Freien Internationalen
Hochschule für Kreativität und Interdisziplinäre Forschung“, deren
Gründungsrektor Joseph Beuys sein soll.
Teilnahme an der Biennale São
Paulo und an der Biennale für Kleinplastik in Budapest.
Ausführung einer vierteiligen
Skulptur in Edelstahl für das Folkwang Museum in Essen.
1974
Zeitgleich mit Josef Albers (1888-1976)
Aufnahme in die Akademie der Künste, Berlin (West), Sektion Bildende Kunst.
1977
Teilnahme an der documenta 6
in Kassel.
1978
Verleihung des Will-Grohmann-Preises
der Akademie der Künste, Berlin.
1979
Karl-Heinrich Müller wendet
sich an Erwin Heerich, da er ein Museum für seine
Sammlung moderner, zeitgenössischer sowie außereuropäischer Kunst plant. Beide
entwickeln die Idee, Heerichs plastische Konzepte in
architektonische Baukörper zu dimensionieren, „begehbare Skulpturen“ zu
schaffen.
1979-1984
Erwin Heerich
entwirft Künstlerbücher in fünf Bänden, die einen Gesamtüberblick über sein
Schaffen bieten.
1982
Karl-Heinrich Müller erwirbt einen
historischen Park an der Erft bei Neuss-Holzheim.
Konzeption von drei Pavillons (begehbare Skulpturen) durch Heerich:
Orangerie (1984), Graubner Pavillon (1984) und Hohe
Galerie (1984)
Realisation mit Unterstützung Heerichs durch den Architekten Hermann H. Müller.
1984-1988
Erwerbung weiterer
Auengrundstücke, Gründung und Eröffnung des Museums Insel Hombroich 1987. Der
Landschaftsarchitekt Bernhard Korte (geb. 1942) schafft eine außergewöhnliche
Landschaft mit Auen, Wasserläufen und abwechslungsreicher Bepflanzung, die zum
Landschaftsschutzgebiet wird. Neubauten Heerichs:
Labyrinth (1985-1988) als großes Sammlungsgebäude und Caféteria
(1988).
Einrichtung eines Ateliers für
Heerich im ehemaligen Kutscherhaus aus dem Jahr 1906
auf dem Areal des Museums Insel Hombroich.
1987
Ehrung mit dem Max Beckmann
Preis der Stadt Frankfurt.
Emeritierung an der Akademie
in Düsseldorf.
1988-1993
Ankauf weiterer Grundstücke in
Hombroich durch Karl-Heinrich Müller. Nach Plänen Heerichs
Errichtung weiterer begehbarer Skulpturen: Turm (1987-1989), Tadeusz-Pavillon
(1993).
1991
Veröffentlichung der Monographie „Erwin Heerich“, entstanden in enger Zusammenarbeit mit Joachim
Peter Kastner.
1992
Mitglied der Bayerischen
Akademie der Schönen Künste, München.
1994
Karl-Heinrich Müller erwirbt
das Gelände einer ehemaligen Raketenstation der NATO, das sich unweit des
Museums Insel Hombroich befindet. Entwurf weiterer vier Bauten durch Erwin Heerich, die zwischen 1998 und 2001 architektonisch realisiert
werden: Fontana-Pavillon (1998-2000), Archiv und Bibliothek (1999-2000),
Atelier/Wohnhaus (1999-2001), Gästehaus „Kloster“ (2000-2001).
1995
Auszeichnung mit dem Anton Stankowski Preis.
1996
Das Projekt der Umwidmung der
Raketenstation wird auf der Architektur Biennale Venedig vorgestellt (6.
International Exhibition of Architecture, Palazzo Vendramin: „Hombroich Architecture“).
Berliner Piepenbrock Preis für
Skulptur, der von 1988 bis 2008 als höchstdotierter Preis für Skulptur in Europa
vergeben wird.
1999
Wahl zum Korrespondierenden
Mitglied der Bayerischen Akademie der Künste.
1999-2000
Errichtung eines Atelierhauses
für Heerichs ehemaligen Meisterschüler Wolfgang
Nestler in Monschau-Kalterherberg basierend auf den Plänen für das Kassenhaus des
Museums Insel Hombroich.
2004
Sonderausstellung auf der
European
Triennial of Small-Scale Sculpture, Galerija Murska Sobota, Slowenien,
als Empfänger des Grand Honorary Reward
der Triennale von 2001.
Erwin Heerich
stirbt am 6. November nach langer Krankheit. Er wird auf dem Friedhof
Düsseldorf-Heerdt beigesetzt.
Recherchiert
und zusammengestellt von Felix Billeter